• MANN (LIEGEND, MIT STEIFEM SCHWANZ) 2004 und MANN 2004, Werke aus der Sammlung Olbricht, Neues Museum Weserburg, Bremen 15.07.2006 - 31.08.2006
    museum franz gertsch, Burgdorf
    2008
    (c) Gregor Schneider

Gregor Schneider Doublings

Mit „Gregor Schneider Doublings“ erlebt das museum franz gertsch seit der Vernissage am 17. April eine Premiere der ganz besonderen Art: Die Ausstellung bietet erstmals einen Überblick über das skulpturale Werk des 1969 in Deutschland geborenen Künstlers, Fotografen und Bildhauers, der für seine einzigartigen Konstruktionen 2001 auf der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Nach einem Umbau der Kunsthalle Bern 1996 ist „Doublings“ die zweite Einzelausstellung von Gregor Schneider in der Schweiz.

Bereits im Alter von 16 Jahren begann Schneider die Räume in einem Altbauhaus zu „verdoppeln“, neue Räume in vorhandene Räume zu bauen, Wände vor Wände zu ziehen und Fenster vor Fenster. Nach einiger Zeit erweiterte der Künstler seine konzeptionelle Arbeit, indem er die Räume aus dem Originalmaterial an anderen Orten wieder massstabgetreu errichtete. Die Idee zur Umgestaltung des Hauses u r, wie sie Schneider seit dem Anfang seiner künstlerischen Laufbahn bis heute verfolgt, brachte ihm während der letzten Jahre neben etlichen Auszeichnungen auch hohe internationale Anerkennung ein.

Im museum franz gertsch hat Gregor Schneider das gesamte Untergeschoss derart umgebaut, dass der Originalgrundriss des Museums völlig zunichte gemacht wurde. Der eigentliche Zugang zum Untergeschoss ist geschlossen, der Besucher begeht die Ausstellung durch den Lift. Es erwartet ihn ein komplett schwarzes Museum: Durch einen beengenden, dunklen Korridor gelangt der Besucher zu den Ausstellungsräumen, zum Luftschutzkeller und zum Ausgang der Ausstellung, dem

eigentlichen Notausgang. Die zwei Ausstellungsräume sind vollkommen abgedunkelt, ihre tektonischen Gegebenheiten verlieren sich, verflüchtigen sich zu einem schwarzen und unfassbaren Nichts. In diesen beiden dekonstruierten Ausstellungssälen befinden sich sechs eingebaute Räume: jeweils eine Doppelgarage und zwei Kinderzimmer; wovon eines begehbar, das andere hingegen nur durch einen Spiegel erfahrbar ist.

Wie der Titel der Ausstellung bereits suggeriert, spielt die „Verdopplung“ auch für diese Intervention Gregor Schneiders eine prägende Rolle. Durch die Symmetrie der beiden Ausstellungsräume, die labyrinthartige Anordnung der Räume und ihre überwältigenden Übereinstimmung kann sich der Besucher nur schwer zurechtfinden. Die Orientierung wird hinterfragt, denn das bereits Gesehene des einen Raumes wiederholt sich im nächsten: Bin ich hier oder dort? Zeit- und Raumgefühl verflüchtigen sich, das Thema der „Verdoppelung“ oder der „Wiederholung“ hinterfragt das künstlerische Original.

Im Dunkeln trifft der Besucher darüber hinaus auf zwölf punktuell beleuchtete Skulpturen und Objekte, die vom Künstler für frühere Interventionen konzipiert worden sind. Aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen gerissen, erhalten diese nun durch ihre homogene Präsentation innerhalb des „Schwarzen Museums“ eine neue formale Glaubwürdigkeit. Die Skulpturen stecken zum Teil in Müllsäcken und ähneln Leichen. Auch hier stellt sich wiederum die Frage nach dem Original (Mensch) oder einer Kopie (Puppe). Worin besteht der Unterschied zwischen „Original“ und „Kopie“? Und was heisst eigentlich „Verdopplung“?

Gregor Schneider Doublings