• Leonardo Bezzola
    Franz Gertsch
    Bern, 1971
    © Leonardo Bezzola

Leonardo Bezzola. Fotografien

Wie Franz Gertsch und er sich kennen gelernt haben, das weiss Leonardo Bezzola nicht so genau. Franz wollte ihm einmal eine Wohnung vermitteln, aber dazu müssen sie sich ja schon gekannt haben, oder? Klar ist, dass die beiden Künstler, der Maler und der Fotograf, sich schon lange kennen und sich von Anfang an mochten. 1971 bekam Bezzola dann den Tipp, „doch mal bei Franz Gertsch in der ehemaligen Brauerei Gassner in Bern hereinzuschauen, der male angeblich jetzt ganz riesige Bilder“. Der Fotograf folgte dem Hinweis und fotografierte das Atelier von Franz Gertsch, den Maler vor seinen Werken und bei der Arbeit.

Der Berner Fotograf Leonardo Bezzola, der in diesem Jahr am 24. April seinen 80. Geburtstag feierte, kannte und begleitete in seinen bald siebzig Schaffensjahren viele Künstlerinnen und Künstler. Als stiller Freund mit einer ruhigen und sympathischen Art dokumentierte er gleichzeitig mit scharfem und unbestechlichem Blick das Leben und Arbeiten von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle, Daniel Spoerri, Franz Eggenschwiler, Bernhard Luginbühl, Raffael Benazzi und vielen anderen. Die Schwarz-Weiss-Fotografien mit klaren Kompositionen und starken Kontrasten zeigen ausdrucksstarke Momente und entscheidende Situationen. Der Fotograf erfasst die Atmosphäre des Augenblicks und oftmals auch das Wesen der porträtierten Person mit grosser Treffsicherheit. Die Porträtaufnahmen sind jedoch nicht sein einziger Schwerpunkt, auch Architektur- und Naturaufnahmen gehören seit vielen Jahren zu seinem Oeuvre. Dabei absolvierte Leonardo Bezzola keine Fotografenausbildung, sondern eine Lehre als Retuscheur und Zeichner. Auch an der Kunstgewerbeschule Zürich studierte er nicht beim „Fotopapst“ Hans Finsler, sondern in der Klasse für angewandte Malerei von Otto Morach. Bezzola betrieb eine eigene Lithopresse, schuf Wandbilder und Kurzfilme und machte sich schliesslich als Fotograf und Gestalter selbständig.

Leonardo Bezzola bewegte sich ab den 1950er Jahren in der noch jungen Berner Kunstszene, der „wohl kreativsten kulturellen Konstellation jener Zeit in der Schweiz“ (André Kamber), und wurde mit seiner Kamera zum Zeitzeugen. Im Kabinett des museum franz gertsch sind rund fünfzig Arbeiten aus den 1950er bis 1980er Jahren zu sehen, Aufnahmen von bekannten Künstlern wie etwa Franz Gertsch, Meret Oppenheim oder Dieter Roth, von Bernhard Luginbühl und seiner Frau Ursi, Franz Eggenschwiler oder vom legendären Ausstellungsmacher Harald Szeemann beim Einrichten der „documenta 5“ im Jahre 1972.

Buchtipp:

Bezzola, Leonardo: Fotografien 1948–2007, mit Texten von Clarenza Catullo, André Kamber und Carlo Montanaro, Zürich: Scheidegger & Spiess, 2008.

Leonardo Bezzola. Fotografien